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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

13. Mai 2018
von Ute
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Das Beste kommt zum Schluss

Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, diese Zeilen zu beginnen. Über 24 Stunden sind schon seit dem Abpfiff der Partie vergangen, so richtig fassen kann ich es noch immer nicht. Lange saß ich ungläubig vor diesem digitalen Blatt Papier, formulierte die ersten Sätze und lösche sie wieder. Nichts von alledem, was gestern passiert ist, lässt sich rational erklären und ebenso trocken niederschreiben. Alles, was ich in dieser Saison wollte, war der Klassenerhalt, idealerweise ein paar Wochen vor Schluss. Bekommen habe ich den Klassenhalt einige Wochen vor Schluss, und wenn es ganz dumm läuft, muss der VfB auch noch international spielen. Das ist zu viel, um es greifen zu können.

2018_05_12_Bayern-VfB_01

Erschöpft hatte ich mich auf einer Sitzbank fallen lassen, schloss die Augen und ließ mir die untergehende Sonne ins Gesicht scheinen. Durch meine Haare wehte der Wind, alle Fenster waren geöffnet, als sich der Entlasungszug um 19 Uhr in Bewegung setzte. Nichts sagen. Nichts denken. Nur fühlen. Und versuchen, zu begreifen, was hier passiert ist. Ich habe schon so viele Spiele in München gesehen, beinahe jedes hatte den einschlägigen Verlauf, den jeder von beiden Vereinen erwartet hatte. Aber nicht heute, heute war alles anders. Es wird Tage brauchen, bis das breite Grinsen aus meinem Gesicht wieder gewichen ist.

2018_05_12_Bayern-VfB_02

Der wichtigste und entscheidenste Moment liegt bereits einige Wochen zurück. Als das Heimspiel gegen Bremen beendet war, stand fest, dass der VfB nicht mehr auf den Relegationsplatz zurückfallen kann und die letzten drei Spiele gegen Leverkusen, Hoffenheim und die Bayern ganz entspannt und ohne Druck angehen kann. Man stelle sich nur vor, es wäre wichtig gewesen, noch zu punkten, um sich in der Liga zu halten. Es braucht vermutlich nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass jene drei Spiele vermutlich etwas anders verlaufen wären.
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6. Mai 2018
von Ute
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Das ist nicht mehr mein VfB

Es ist noch gar nicht so lange her, da sprach ich von meinem VfB als verunsicherten Aufsteiger, der mit harten Gegebenheiten im Oberhaus überfordert ist. Woche für Woche bruddelte ich vor mich hin, man würde mit dieser Leistung ohnehin direkt wieder absteigen, da man es nicht schafft, sich die nötigen Punkte zur rechten Zeit zu holen. Einige Wochen sind nun vergangen, lediglich ein einziges Bundesligaspiel ist in der Saison 2017/2018 noch übrig und mit einem zufriedenen Lächeln sitze ich nun hier bei einer Tasse Kaffee. Keiner von uns hatte das so je kommen sehen.

2018_05_05_VfB-Hoffenheim_01

Natürlich hat die unausweichliche Frage nicht lange auf sich warten lassen. Seit der Klassenerhalt gegen Bremen perfekt gemacht wurde, war klar, dass alles, was nun kommt, ein Bonus sei. Die letzten drei Spiele gegen Leverkusen, Hoffenheim und München würde man ohnehin komplett abschenken müssen. Wie man sich denn fühlen würde, nachdem man noch zur Winterpause, spätestens zum Trainerwechsel Ende Januar gesagt hatte, alles würde wieder den Bach hinunter gehen, das ist in diesen Tagen oft zu lesen. Nicht ganz zu Unrecht.

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Zugegebenermaßen ist es leicht, den Teufel an die Wand zu malen. Berechne das schlimmste rechnerisch mögliche Szenario und gehe davon aus, dann kannst du schließlich immernoch sagen, dass du es schon vorher gewusst hast. Ein strahlender Optimist war ich noch nie, doch war ich auch schon gelassener in meinem Leben. In dieser Situation zugeben zu können, dass man sich zumindest was diese Saison betrifft, geirrt hat, ringt mir einiges an Courage ab. Tayfun Korkut und die Mannschaft haben das recht ordentlich gemacht. Die Sorge vor dem, was im Herbst erneut auf uns zurollen könnte, bleibt trotzdem – daran kann auch ein seliges Lächeln nicht viel ändern.

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1. Mai 2018
von Ute
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Von Ohrwürmern und Sahnetagen

Und dann stehst du auf einmal da und hast keine Ahnung, was da gerade um dich herum passiert. Ging es nicht vor fast zwei Stunden lediglich darum, sich nicht ganz so heftig vom Gegner verprügeln zu lassen und danach aufgrund des bereits vollbrachten Klassenerhalts entspannt wieder heimzufahren? Wer hätte uns denn auf das vorbereiten können, was wir am Samstagabend erlebt haben? Die Niederlage in Leverkusen war einkalkuliert, wie schon seit vielen Jahren, es war lediglich eine Frage der Höhe. Für uns ging es um nichts mehr, außer einer besseren Endplatzierung – für Bayer ging es aber um die Champions League Qualifikation. Also was genau ist da eigentlich passiert?

2018_04_28_Leverkusen-VfB_01

Einige Tage danach habe ich noch immer nicht ganz nachvollziehen können, wie viele Dinge an diesem Samstag zusammenlaufen mussten, um den gut 3.000 mitgereisten Fans einen euphorischen Abend zu ermöglichen. Alles sprach doch gegen uns, oder nicht? Gute Erinnerungen an Auswärtsspiele in Leverkusen habe ich nicht, allenfalls ein 2:2 vor etwas mehr als sechs Jahren darf noch einigermaßen als Erfolgserlebnis verbucht werden. Ansonsten weist die Auswärtsstatistik einige finstere Abschnitte auf, das schlimmste Erlebnis in jüngerer Vergangenheit war ohne jeden Zweifel das letzte Aufeinandertreffen vor zwei einhalb Jahren. Trotz 2:0- und 3:1-Führung verlor der VfB am Ende mit 3:4. Warum sollte es ausgerechnet besser laufen, wenn es für den Gastgeber noch um so viel geht?

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Ich hatte den Plan, mich nicht aufzuregen, wenn der VfB schlecht spielen und/oder verlieren würde. Zunächst müde belächelt, ging der Plan dennoch auf, allerdings nicht, wenn man sich die entspannte Haltung auf alles andere bezieht. Nach einer problemlosen Anfahrt mit meinem Kumpel Timo und meiner besseren Hälfte Felix, erreichten wir Leverkusen um die Mittagszeit, gingen in Laufweite zum Stadion noch amerikanisch essen und schauten uns die Schlusskonferenz der zweiten Liga und die erste Halbzeit der ersten Liga an. Über den VfB musste ich mich nicht aufregen. Über den nicht totzukriegenden HSV allerdings schon.
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22. April 2018
von Ute
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Der Deckel ist drauf

Ich bin nicht leicht zufriedenzustellen. Ein höchstwahrscheinlicher, 99-prozentiger und fast perfekter Klassenerhalt reicht mir einfach nicht – bei so etwas nehme ich es genau. Solange noch eine rechnerische Restwahrscheinlichkeit bleibt, noch zum Relegationsplatz durchgereicht zu werden, bleibt der Zeigefinger oben und die Anspannung groß. Was habe ich mir nicht wieder alles anhören dürfen, aber sind meine begründeten Zweifel wirklich so abwegig? In den letzten Wochen hat die Mannschaft vieles vermissen lassen, vor allem den Willen, wirklich alles für den rechnerischen Klassenerhalt zu geben. Erst als Berkay Özcan zum 2:0 traf, war der Spuk für mich vorbei, der für so viele andere in den letzten Wochen überhaupt kein Thema mehr war.

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Dass wir nun drei Spieltage vor Ende der Saison bereits durch sind, hatte ich Ende Januar nicht für möglich gehalten. Eine Situation, die neu für mich ist, nach einigen Jahren, in denen es noch am letzten Spieltag um alles ging. Wie soll man damit umgehen, wenn einem diese Form des entspannten Saisonendspurts zuteil wird? An diesem Sonntag liegen drei anstrengende Tage hinter mir, die ich erst einmal verarbeiten muss, sowohl kräftetechnisch als auch bildertechnisch. Das alles jedoch mit einem Lächeln, denn nach ein paar zähen Wochen habe ich gestern im Neckarstadion wieder etwas gesehen, was uns schon vor zwei, drei Wochen den Klassenerhalt hätte bescheren können: der absolute Wille, auch dann, wenn man fußballerisch sichtlich limitiert ist.

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Dieses traumhafte Wetter. Dieser sensationelle Support in der Schlussviertelstunde der Partie. Dieser vibrierende Boden unter meinen Füßen. Und dieser Moment, indem ein einziges Tor jegliche Sorgen fürs erste abfallen lässt. Fußball kann manchmal einfach eine tolle Sache sein, auch wenn sie das für mich nur selten ist. Gehen andere jederzeit ganz entspannt zum Stadion, zum Biertrinken und einem Wiedersehen mit Freunden, ist es für mich doch sehr viel mehr geworden. Was das für mich, meine Gesundheit und die nächste Saison bedeutet, bleibt noch abzuwarten. Hier und heute freue ich mich und gestehe mir dafür auch gerne ein, dass ich mich mit meinen Prognosen geirrt habe – Grund für diese Prognosen hatte ich allerdings schon.
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15. April 2018
von Ute
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Wer schläft wird angemalt

Als Tayfun Korkut vor 74 Tagen als neuer Trainer des VfB vorgestellt wurde, fiel ich vom Glauben ab. Nichts, aber auch gar nichts wollte ich diesem Verein in dieser Spielzeit noch zutrauen, zu enttäuscht war ich von den Geschehnissen des späten Januars 2018. Hätte man mir zu diesem Zeitpunkt gesagt, der VfB würde vier Spieltage vor Schluss 39 Zähler auf dem Konto halten, ich hätte nach einem Stift gefragt und mich erkundigt, wo ich denn bitte unterschreiben darf. Nichts hatte ich erwartet, nur dass sie sich so lange zusammenreißen, bis rechnerisch nichts mehr schief gehen kann. Nun sitze ich hier, bei frühsommerlichen Außentemperaturen und mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter.

2018_04_14_VfB-Hannover_01

Ein paar Sekunden trennten uns vom Knacken der 40-Punkte-Marke. Ein paar Sekunden trennten uns vom Klassenerhalt (vorbehaltlich des Montagsspiels der Mainzer gegen die Freiburger). Ein paar Sekunden trennten uns vom Heimsieg, der die einzig richtige Antwort auf die zuletzt schwachen Auftritte gewesen wäre. Wenn du dich schon entscheidest, jegliche Offensivbemühungen einzustellen und dich nur noch hinten reinzustellen, dann ist es deine Aufgabe, alles wegzuschlagen, was auch nur einen kleinen Hauch in Richtung deines eigenen Tores geht, von mir aus im Vollspann auf die Haupttribüne, nur weg vom eigenen Tor. Man muss kein Trainer sein, um das zu wissen. Der VfB wusste das ganz offensichtlich nicht.

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„Zu neunundneunzig Prozent sind wir durch“ – schon alleine, wenn ich diese Worte höre, könnte ich explodieren. Die Spannung hochzuhalten, solange der rechnerische Klassenerhalt noch nicht perfekt ist um im schlimmsten Falle die Relegation droht, ist beileibe nicht zu viel verlangt – im Gegenteil. Wir sind noch nicht durch, und genau deshalb erwarte ich von der Mannschaft, dass sie sich reinhängt, solange es nötig ist. Wenn man dann einmal durch ist und die letzten Spiele mit der zweiten Mannschaft bestreitet, sei es drum. Man scheint sich sicher genug zu fühlen und denkt, es könne einen ja nicht treffen. Komisch, genau das hatte man 2016 auch gedacht. Weiterlesen →