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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

14. Januar 2018
von Ute
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Mitten ins Herz

Ein gemütlicher, fauler Sonntag im Januar, der Heizkörper hinter mir blubbert vor sich hin, vor mir steht eine längst kalt gewordene Tasse Kaffee. Mein Kopf ist schwer von all den Gedanken darin. Der VfB hat gewonnen, es sollte einfach sein, diese Zeilen zu schreiben. Aber das ist es nicht. Hier und jetzt ist es gar sehr viel schwerer, die richtigen Worte zu finden. Es geht nicht um 90 Minuten, die es zu beschreiben gilt, um ein zähes Spiel mit einem glücklichen Sieg. Es geht um die Verarbeitung unverarbeiteter Emotionen, die so viele Jahre schon als vergessen gegolten hatten.

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Über Emotionen schreibe ich nun schon so lange, dass bisweilen jeder weiß, dass diese alles andere als rational sind. Und von all diesen Emotionen wiegt auch am Tag danach keine andere so schwer wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Es sind solche Geschichten, die der Fußball schreibt: da kehrt er nach über acht Jahren zu seinen Wurzeln zurück, wird von den allermeisten mit offenen Armen empfangen und ist im ersten Pflichtspiel für den VfB maßgeblich am Siegtreffer beteiligt. Schöner kannst du es dir nicht ausdenken. Und dann gibt es noch mich, die sich fragt: „Warum ausgerechnet er?“

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Ob man es zugibt oder nicht: jeder Mensch hat Vorsätze für das neue Jahr, oder zumindest eine vage Vorstellung davon, was er besser machen will als in den zwölf Monaten zuvor. Für mich persönlich wäre da erstmal mein neuer Job, dessen erste Woche ich nun begeistert hinter mich gebracht habe. Dann wäre da noch das Kürzerfassen bei meinen Spielberichten, sofern dies möglich ist. Doch was ich gestern wieder gemerkt habe, ist eine nicht ganz triviale emotionale Klemme. Ich muss über das hinweg kommen, was im Mai 2009 passiert ist. Und so gerne ich mich auf die neue Situation einlassen will, so fällt dies doch schwerer als gedacht.
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31. Dezember 2017
von Ute
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Fußballkilometer 2017

Wenn es eines gibt, wofür unser Fußballjahr 2017 steht, dann ist es ohne jeden Zweifel der Aufstieg an jenem wunderbaren Tag im Mai. Die Zweitligasaison wurde zu meiner dritten 34er-Saison (d.h. alle Bundesligaspiele), es war das reinste Abenteuer und von allen Auswärtsspielen in diesem Kalenderjahr ist jenes in Nürnberg wohl das unvergesslichste Erlebnis. Nach dem Aufstieg ist wieder Routine eingekehrt, die gleichen Stadien, die gleichen Gegner, dafür eine eine lange nicht dagewesene Häufung an weiten Auswärtsspielen innerhalb von einer Halbserie. Ich blicke zurück.

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30. Dezember 2017
von Ute
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Das war mein Jahr 2017

Was. Für. Ein. Jahr. Die emotionalen zwölf Monate des Jahres 2017 sind nun vorüber und bieten mir zwischen Weihnachtsvöllerei und Silvesterfeierei die Gelgenheit, zurückzublicken, auf dass was war, auf das was ist und auf das, was sein wird. Ohne jeden Zweifel war der emotionale Höhepunkt der 21. Mai, als sich der VfB nach einem denkwürdigen Aufstiegsfinale in die Bundesliga zurückkehrte. Für mich persönlich jedoch stand eine der wichtigsten und größten Entscheidungen der letzten Jahre an: nach sieben einhalb Jahren werde ich den Arbeitgeber wechseln und ab Januar direkt in Stuttgart arbeiten. Es war durchaus einiges los in diesem Jahr – aber nicht immer nur Gutes.

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23. Dezember 2017
von Ute
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Pokal-Aus und Paukenschläge

Wir schreiben den 23. Dezember 2017. In den Supermärkten und Geschäften ist heute das Chaos ausgebrochen und kurz vor Weihnachten wird man wohl kaum weiter vom Zustand der Besinnlichkeit entfernt sein als bei den letzten Einkäufen am heutigen Tag. Das war schon immer so und wird wohl auch immer so bleiben. Genauso, wie es beim VfB seit jeher Tradition ist, dass an Weihnachten der Baum brennt – entweder als kleine Flamme wie letztes Jahr, oder auch etwas stärker, so wie in diesem Jahr. Hinter uns liegen bewegte Tage, an das Pokal-Aus in Mainz denkt so gut wie keiner mehr. Außer mir jedenfalls.

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Die letzten vier Spiele in der Bundesliga hatte der VfB allesamt verloren, davon drei mit einem Tor Unterschied und eines mit zwei Toren Unterschied. Man war überreif für die herbeigesehnte Winterpause, aber einmal musste man doch noch ausrücken. Nach bisher zwei Auswärtsspielen in den ersten beiden Pokalrunden, war uns ein Heimspiel vor Weihnachten leider nicht vergönnt und so zog Stefan Effenberg während unseres Heimspiels gegen Freiburg unseren nächsten Gegner: Mainz auswärts. Ein machbares Los, möchte man sagen.

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Nur ein paar wenige Situationen hätten mir für die kurze Winterpause die dringend notwendige Gelassenheit geben können: ein Weiterkommen im Pokal und das Vermelden von ein bis zwei guten Neuzugängen in Sturm und Rechtsverteidigung, ich wäre fürs erste auch zufrieden gewesen. Bekommen haben wir stattdessen das vorzeitige Pokal-Aus, und einen dubiosen Stürmertausch, der weit höhere emotionale Wellen bei mir schlug, als es eine Pokalniederlage jemals könnte. So blicke ich vier Tage später nicht nur zurück auf einen bitteren Abend, sondern vielmehr auf turbulente Tage, die hinter dem VfB liegen.
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18. Dezember 2017
von Ute
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Die Launen des Schicksals

Als vor 47 Tagen der Rückfallzieher von Sebastian Haller im Tor landete, war ich mir sicher, uns könne in dieser Spielzeit unmöglich etwas passieren, das schlimmer sein konnte. In der 93. Minute hätte man mit einem Punkt nach Hause fahren können, bis man binnen von Sekunden ohne einen Punkt dastand und sich fragen musste, warum so etwas einem immer selbst passieren muss. Nichts würde schlimmer kommen können als jener Nachmittag in Frankfurt. Doch ich hatte mich geirrt.

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Es liegt in der Natur dieses wunderbaren Sports, seine Anhänger in Emotionen zu ertränken. Die schönsten Momente sind diese, in denen wir unser Team zum Sieg schreien und die Mannschaft und nicht zuletzt uns selbst feiern können. Die ärgerlichsten Momente sind diese, in denen man in jeder Sekunde den Funken Leidenschaft vermisst und man als Verlierer das Stadion verlässt. Doch die bittersten Momente sind zweifelsohne diese, in denen du Hoffnung hattest, obwohl du dir geschworen hast, keine zu haben – und am Ende dann doch im Regen stehst und der Gedanke vor deinen Augen am Boden zerschellt.

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Jemandem zu erklären, warum man auch zwei Tage später noch immer mit den Emotionen des 16. Dezember hadert, ist in der Tat nicht sehr einfach. Habe ich nicht selber noch vor dem Spiel gesagt, man würde ohnehin verlieren? Und habe ich nicht selber noch Minuten vor dem Anpfiff noch gemeint, was auch passieren würde, ich wolle mich nicht übermäßig aufregen? Warum sitze ich jetzt trotzdem hier, zwei Tage danach und noch immer ohne das Zugeständnis, dass solche Dinge manchmal eben einfach passieren. Gefühlt passieren sie nur uns. Was haben wir getan, dass wir immer wieder solche Momente verdienen? Nur, weil der eigene Kittel naturgemäß immer etwas heißer brennt als der der anderen? Wohl kaum.
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