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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

10. Dezember 2017
von Ute
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(K)ein Grund, nervös zu werden

Es ist nicht so, dass wir eine solche Situation nicht schon einmal erlebt hätten. Als wir im Frühjahr 2016 nach einigen Siegen in Folge plötzlich keine Punkte mehr holten, hielt man mich für verrückt, das Wort Abstieg in den Mund zu nehmen. Oder als wir im Winter 2016/2017 in der zweiten Liga den einen oder anderen Punkt liegen ließen, hielt man mich für paranoid, das Wort Nichtaufstieg anzusprechen. Wann immer es beim VfB nicht so gut lief, wurde ich teilweise hart dafür angegangen, wenn ich anmerkte, dass es nicht rund läuft.

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Es ist nicht so, dass ich behaupte, wir würden Stand jetzt definitiv wieder absteigen. Aber ich behaupte, dass die Entwicklung der letzten Wochen, mit Ausnahme des Heimsiegs gegen Dortmund, äußerst bedenklich ist. Noch ist es natürlich zu früh, den Teufel an die Wand zu malen, aber warum ist es eigentlich offenbar verpönt, Missstände anzusprechen, die sich dabei so einfach an den Ergebnissen messen lassen? Was sich an diesem Wochenende noch nicht in der Tabelle zu zeigen vermag, wird schlimmstenfalls über die Winterpause eine große Bürde sein. Großartige Aussichten auf Erfolg bieten die nächsten Wochen jedenfalls nicht.

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Es ist nicht so, dass ich Hannes Wolf nicht für einen der fähigsten Trainer halten würde, die der VfB in den letzten Jahrzehnten verpflichtet hat. Im Gegenteil, als er seine Arbeit im September 2016 aufnahm, hoffte ich, er wäre dieses Mal der richtige. Der VfB stieg in die Bundesliga auf und Hannes Wolf zum absoluten Sympathieträger. Ich zähle ihn nicht an, befürchte aber, das andere das bald tun, die erst kundgetan hatten, langfristig mit ihm arbeiten zu wollen. Wir alle kennen die Mechanismen des Geschäfts und einer davon lässt sich an Punkten festmachen. Punkte, die wir einfach zu oft unnötig liegen gelassen haben.
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4. Dezember 2017
von Ute
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Am Ende werden die Dummen gezählt

„Wer nicht in der Lage ist, aus seinen Fehlern zu lernen, wird sich eines Tages umschauen und feststellen, dass es dieses Mal keine drei Dümmere geben wird – dann ist man nämlich selbst der Dumme“. Etwas ähnliches sagte ich vor gut anderthalb Jahren, als der VfB, mal wieder in allergrößter Abstiegsnot, auf bestem Wege war, endgültig den Faden zu verlieren. Ein paar wenige Wochen später war der VfB der Dumme und stieg zum ersten Mal seit den Siebzigern ab. Noch steht der VfB besser da, als ich es vor der Saison vermutet hatte, und natürlich würde ich viel lieber davon schreiben als neuerliche Abstiegsszenarien in pechschwarzer Farbe an die Wand zu malen, aber ist es nicht so, dass sich unser Herzensverein abermals ziemlich dumm angestellt hat?

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Gerade in den Heimspielen der vergangenen Wochen hat uns der VfB gezeigt, wie wunderschön und berauschend dieser Sport sein kann. Da gewinnst du ein durch einen Elfmeter verloren geglaubtes Spiel in letzter Sekunde gegen Köln und holst gegen Dortmund drei nie für möglich gehaltene Punkte, und auf einmal erwischt man sich selbst bei der Frage, wann es so etwas zuletzt gegeben hat. So wunderbar die Partien vor heimischer Kulisse auch sind, die hässliche Kehrseite der Medaille bekommen die zu spüren, die sich alle zwei Wochen auf den Weg zu Deutschlands Stadien machen. Auswärts bekommt man einfach keinen Fuß auf den Boden, da wird auch die Frage erlaubt sein, wie der VfB denn gedenkt, bei dieser Statistik die Klasse zu halten.

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Die Hinrunde neigt sich dem Ende und nachwievor bleibt es dabei: auswärts ist, wenns scheiße ist. Zugegeben, ich war bei bislang zwei Auswärtsspielen nicht dabei: Schalke fiel aus, da mein lieber Schwiegervater seinen 70. Geburtstag feierte und Hannover in der vergangenen Woche wurde zum Opfer einer nicht auskurierten Bronchitis und diversen Problemen im Büro. Doch während der VfB vergangene Woche ohne meine Anwesenheit seinen ersten Auswärtspunkt verbuchen konnte, nahm er das nicht etwa zum Anlass, die viel beklagte Auswärtsseuche für beendet zu erklären und die wahrscheinlichsten Auswärtspunkte der Hinrunde zu holen. Nein. Er verlor. In Bremen. Und keiner weiß so recht, warum eigentlich.
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19. November 2017
von Ute
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Unverhofft kommt nicht so oft

Von allen Dingen, die ich mir an diesem Tag ausgemalt hatte, war dies so ziemlich das Unwahrscheinlichste. Lachend und schreiend lagen wir uns in den Armen, ohne es vermutlich richtig begreifen zu können. Ein Heimsieg gegen Borussia Dortmund. Sieben Jahre, neun Monate, zwei Wochen und drei Tage. Seit man zum letzten Mal die Dortmunder vor heimischer Kulisse bezwingen konnte, ist viel Wasser den Neckar hinuntergeflossen. Spieler und Trainer sind gekommen und gegangen, die Liebe zum Verein ist geblieben, genau wie die sture Überzeugung, dass der VfB nur selten zu wahrhaft großen Heldentaten imstande ist.

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Zugegeben, bei den Schwarz-Gelben läuft derzeit so gar nichts zusammen. Doch sollte das die gigantische Mannschaftsleistung des VfB schmälern? Wohl kaum. Dennoch wird im Nachgang von nichts anderem zu lesen sein als von der Slapstickeinlage von Roman Bürki und Marc Bartra, von fehlender Effizienz und falscher Taktik. Es würde nur darum gehen, wie lange Peter Bosz noch zu halten sei und wie lange die Krise der Borussen nun schon anhält. Dass es der VfB dabei verdient hat, als Sieger vom Platz zu gehen, scheint für viele Gazetten und neutrale Fans zweitrangig zu sein.

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Auf dem Zettel hatten es dann aber doch die wenigsten, vom unguten Bauchgefühl des schwäbischen Durchschnittsbruddler bis hin zu jedem einzelnen Wettbüro. Man schien sich einig zu sein: selbst in deren aktueller Form wird der VfB nichts gegen den BVB ausrichten können. Aber diese Rechnung hat man ohne unsere Mannschaft gemacht. Und ich sage ganz bewusst „Mannschaft“, denn an solchen Tagen verdienen sie sich diesen Namen wirklich. Am Ende einer energischen Mannschaftsleistung stand der VfB mit drei Punkten mehr da – und überforderte mich damit komplett. Ich war darauf doch gar nicht vorbereitet.
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11. November 2017
von Ute
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Gebrauchter Tag im hohen Norden

Es gibt Tage, an denen liebe ich das, was ich tue. Dann sitze ich am Tag danach, oder auch zwei Tage am Rechner, lächle wissend vor mich hin, schlürfe dazu einen Kaffee und bringe etwas zu digitalem Papier, was gemeinhin „Spielbericht“ genannt wird, mit den harten Fakten einer Bundesligapartie jedoch nur wenig gemein hat. Ich lebe für die Emotionen, die der Fußball, der VfB und vor allem mein Umfeld in mein Leben gebracht haben und bin stolz und dankbar, die Möglichkeit und die Fähigkeit zu haben, diese Dinge anderen mitteilen zu dürfen. Und dann gibt es die Tage, an denen stelle ich die Frage, warum ich das eigentlich tue. Das Schreiben. Der Fußball. Die Leidenschaft.

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Jeder von uns wird hin und wieder daran erinnert, warum er einst sein Herz einem Verein geschenkt hat, es sind jene Spiele wie das gegen Köln, das einem beweisen kann, dass man sich vor Jahren oder gar Jahrzehnten richtig entschieden hat. Das Los eines Fußballvereins, sofern er sich nicht am oberen Teil der Tabelle festgebissen hat, verlautet uns meist aber etwas anderes. Es geht nicht immer nur über eine unbegreifliche Liebe, um grenzenlose Emotionen – für uns geht es auch um die Bewältigung von Frust und die Antwort auf die Frage, warum wir uns trotz aller Rückschläge noch immer Woche für Woche in die Kurve oder den Gästeblock stellen. Auf der Suche nach einer Antwort auf jene Fragen, die ein Nicht-Fußballfan niemals stellen würde.

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Wir sind anders. Und wer diese Emotionen verstehen kann, weiß auch, wie sehr es an solchen Tagen weh tun kann. Für Außenstehende ist die Sachlage einfach: ein Bundesligist, der nach einem Jahr Zweitklassigkeit wieder aufgestiegen ist, spielt bei einem Bundesligist, der sich zuletzt mit viel Glück immer wieder oben gehalten hat. Früh gibt es einen Platzverweis für den Aufsteiger, den er auf kurz oder lang nicht mehr standhalten kann und einbricht. Der andere Bundesligist gewinnt das Spiel. Klingt einfach, oder? Über eine Woche ist seither vergangen, aber ein kleines bisschen nagt es schon noch an mir. Vielleicht auch ein großes bisschen.
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31. Oktober 2017
von Ute
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In die Karten gespielt

So ganz traute ich dem Braten nicht. Dabei hätte ich eigentlich allen Grund gehabt, fröhlich zu sein, denn schließlich führte der VfB mit 2:0 und hatte einen Mann mehr auf dem Feld. Da konnte doch wirklich nichts mehr schief gehen, oder? Und dann erinnerte ich mich an das Auswärtsspiel in Frankfurt. Im Hier und Jetzt konnte mich die komfortable Führung nicht beruhigen, denn auf dem Feld kam vom VfB lange Zeit gar nichts mehr. Dass der Gedanke in mir wieder hochkam, man könnte ja doch noch durch einen blöden Patzer und einen Elfmeter den sicheren Sieg aus der Hand geben, dagegen konnte ich nicht das geringste machen. Denn sind wir mal ehrlich: dafür kennen wir unseren Verein zu gut.

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Niemand würde hinterher davon reden, dass Benjamin Pavard ein weiteres großartiges Spiel gemacht hat. Keiner würde hinter davon sprechen, dass Berkay Özcan entgegen aller Vermutungen eine sehenswerte Partie gespielt hat. Alle würden hinterher nur von der einen Szene sprechen, die die Partie in vermeintlich andere Bahnen gelenkt hat: der frühe Platzverweis für den Freiburger Caglar Söyüncü, der erst eine gefühlte Ewigkeit später via Videobeweis geahndet wurde. Womöglich hätte es für den VfB auch gegen elf Freiburger gereicht, aber alle würden nur über den Videobeweis und die harte Entscheidung gegen die Elf von Christian Streich sprechen.

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Vermutlich werden wir uns alle noch lange an jenes schicksalhafte Heimspiel gegen Köln erinnern, als ein in letzter Minute für die Kölner ausgesprochener Elfmeter durch den Videobeweis zurückgenommen wurde und der VfB infolgedessen noch das Spiel für sich entscheiden konnte. Wie das alles zustande kam, ließ ein Geschmäckle zurück, denn wieviel von unseren Idealen hat der Fußball verraten, wenn Minuten später Entscheidungen getroffen werden, die sowohl für die Mannschaften, Trainer und Zuschauer alle Emotionen ad absurdum führen kann. Ich bin grundsätzlich für den Videobeweis – aber dieser muss anders umgesetzt werden, vor allem schneller und transparenter. Auch, wenn wir dieses Mal erneut davon profitiert haben.
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