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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

15. April 2018
von Ute
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Wer schläft wird angemalt

Als Tayfun Korkut vor 74 Tagen als neuer Trainer des VfB vorgestellt wurde, fiel ich vom Glauben ab. Nichts, aber auch gar nichts wollte ich diesem Verein in dieser Spielzeit noch zutrauen, zu enttäuscht war ich von den Geschehnissen des späten Januars 2018. Hätte man mir zu diesem Zeitpunkt gesagt, der VfB würde vier Spieltage vor Schluss 39 Zähler auf dem Konto halten, ich hätte nach einem Stift gefragt und mich erkundigt, wo ich denn bitte unterschreiben darf. Nichts hatte ich erwartet, nur dass sie sich so lange zusammenreißen, bis rechnerisch nichts mehr schief gehen kann. Nun sitze ich hier, bei frühsommerlichen Außentemperaturen und mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter.

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Ein paar Sekunden trennten uns vom Knacken der 40-Punkte-Marke. Ein paar Sekunden trennten uns vom Klassenerhalt (vorbehaltlich des Montagsspiels der Mainzer gegen die Freiburger). Ein paar Sekunden trennten uns vom Heimsieg, der die einzig richtige Antwort auf die zuletzt schwachen Auftritte gewesen wäre. Wenn du dich schon entscheidest, jegliche Offensivbemühungen einzustellen und dich nur noch hinten reinzustellen, dann ist es deine Aufgabe, alles wegzuschlagen, was auch nur einen kleinen Hauch in Richtung deines eigenen Tores geht, von mir aus im Vollspann auf die Haupttribüne, nur weg vom eigenen Tor. Man muss kein Trainer sein, um das zu wissen. Der VfB wusste das ganz offensichtlich nicht.

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„Zu neunundneunzig Prozent sind wir durch“ – schon alleine, wenn ich diese Worte höre, könnte ich explodieren. Die Spannung hochzuhalten, solange der rechnerische Klassenerhalt noch nicht perfekt ist um im schlimmsten Falle die Relegation droht, ist beileibe nicht zu viel verlangt – im Gegenteil. Wir sind noch nicht durch, und genau deshalb erwarte ich von der Mannschaft, dass sie sich reinhängt, solange es nötig ist. Wenn man dann einmal durch ist und die letzten Spiele mit der zweiten Mannschaft bestreitet, sei es drum. Man scheint sich sicher genug zu fühlen und denkt, es könne einen ja nicht treffen. Komisch, genau das hatte man 2016 auch gedacht. Weiterlesen →

2. April 2018
von Ute
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Auf Eiersuche

Gebruddelt wird immer. Ganz egal, ob der VfB nun gut gespielt hat oder nicht, ob er nur einfach oder dreifach (oder auch gar nicht) gepunktet hat, ob er nun glücklich oder souverän agierte – etwas zu meckern gibt es immer. Entgegen anderslautender Meinungen, geht es mir aber nicht alleine ums Ergebnis, oder anders gesagt, es geht mir gar nicht ums Ergebnis. Sehr wohl geht es mir aber um die Art und Weise, wie dieses erzielt wurde. Was am Ende übrig bleibt ist Unzufriedenheit und Frustration. Nicht nur verpasste man das Erreichen der 40-Punkte-Marke, vielmehr schaffte man es als gefühlt einziger Club in den jüngsten Wochen nicht, gegen die Hamburger zu gewinnen.

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Ganz entscheidend geht es mir hier nicht um das bloße Unentschieden, sondern vielmehr um die bocklose, motivationslose Haltung, die uns 2016 einst das Genick gebrochen hatte. Ich will damit nicht sagen, dass die sportliche Tabellensituation exakt die gleiche ist wie vor zwei Jahren, und ich will damit auch nicht sagen, dass es nun doch nochmal eng wird mit dem Klassenerhalt, was jedoch nicht in meinen Kopf will ist das Auftreten der Mannschaft. Hat man es nun nicht mehr nötig, die Konzentration oben zu halten und zumindest so zu tun, als würde einen nach dem nicht mehr möglichen direkten Abstieg interessieren, wo man am Ende landet?

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Vielleicht reagiere ich nur einfach über – das werden die nächsten Wochen zeigen. Michael Reschke hat den Abstiegskampf bereits öffentlich für abgeschlossen erklärt, nicht, dass mich eine solche dampfplaudrige Äußerung aus seinem Mund groß verwundern würde. Dass ich die Erinnerungen an 2016 nicht loslassen kann, sei mir verziehen. Schließlich war es uns damals nicht bewusst, in welcher Gefahr der Club schwebte, als er in den ersten drei Monaten des Jahres zweifelsohne zu überzeugen wusste und über das Osterwochenende – welches wir auch dieses Wochenende zelebriert haben – jegliche Körperspannung verloren ging und nie zurückkehrte. Wir sollten gewarnt sein, was passieren kann. Dass es uns erneut so ergeht, ist mehr als unwahrscheinlich, und dennoch sollte es mein gutes Recht sein, eines einzufordern: den unbedingten Willen, zu gewinnen – auch dann noch, wenn man meint, schon sicher zu sein. Gerade dann.
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19. März 2018
von Ute
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Ein Stück näher am Ziel

Als ich um 22:32 Uhr einen simplen Tweet absetzte, in dem nichts anderes stand als „Geil.“, waren meine Follower sehr verwirrt. Kein Einziger wollte mir abkaufen, dass ich das selbst geschrieben hatte und binnen weniger Minuten reichten die Verschwörungstheorien von einem gekaperten Smartphone bis hin zu besorgniserregend hohem Fieber. Hat man sich einmal den Ruf der ewigen Pessimistin erarbeitet, wird man ihn nicht so schnell wieder los. Noch immer hängt mir die Erinnerung an 2016 nach, auch wenn diese Szenarien spürbar an Brisanz verloren haben. Ein weiteres Mal reichten uns die Ergebnisse der Konkurrenz sowie der eigene Sieg, um erneut zu klettern. Platz Acht steht am Ende des 27. Spieltags zu Buche. Nicht unbedingt das, was ich vor einigen Wochen erwartet hatte.

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Noch ist es rechnerisch nicht durch, aber die Wahrscheinlichkeit, doch noch in den Tabellenkeller zu rauschen, ist gering. Zum Optimisten macht mich das deswegen noch lange nicht, aber es beschert mir vermutlich zum ersten Mal seit Jahren genau das, wovon ich seit vielen Saisons in der ersten Liga geträumt hatte: einen entspannten Saisonendspurt ohne die ganz große Angst. Beruhigt und entspannt auf das schauen, was die anderen denn so treiben, wer am Ende tatsächlich absteigt, den Klassenerhalt noch schafft oder in die Relegation kommt. Das alles ganz ohne den eigenen brennenden Kittel erleben zu dürfen, ist eine charmante Vorstellung. Aber auch eine, die trügerisch sein kann.

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Der Spielplan der Rückrunde 2017/2018 war gnädig zu mir und verschont(e) mich während meiner sechsmonatigen Probezeit im neuen Job mit einer gehäuften Anzahl von Freitags- und Montagsspielen in der Ferne. Lediglich die Partie im Breisgau stand mit der Terminierung gefühlt auf der Kippe, stellte sich nach einem kurzen, netten Gespräch mit meinem Chef als überhaupt kein Problem heraus. Ein halber Tag Urlaub war für den Ausflug ins knapp 160 Kilometer entfernte Freiburg nötig, wie bei vielen anderen an diesem frühlingshaften Tag auch. Aber nicht alle von ihnen kamen auch in Freiburg an.
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13. März 2018
von Ute
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Weniger ist mehr

Es hätte auch anders laufen können. Die Gäste aus meiner alten Heimat hätten in der Nachspielzeit noch das Siegtor machen können. Mario Gomez hätte per Kopf zum womöglich entscheidenden 1:0 treffen können. Wir hätten auf den achten Platz vorrutschen können. Es hätte Elfmeter für den VfB geben können. Ich hätte aber auch stattdessen ein langeweiliges Leben in Leipzig führen können. Wären da nicht die Momente und Entscheidungen gewesen, die mich genau an diesen Punkt gebracht haben. Viel ist passiert seit ich vor fast zwölf Jahren begann, mich für Fußball zu interessieren. So viele Leute, die seitdem mein Leben begleitet haben und noch begleiten. Und dann gibt es noch die Freundschaften, die während schon viel länger als all das.

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In den letzten Tagen wurde ich oft gefragt, ob ich das Spiel irgendwie komisch finden würde. Abgesehen davon, dass ich wusste, dass meine neue Heimat gegen meine alte Heimat antreten würde, fand ich es weit weniger befremdlich als das Hinspiel. Als ich im Leipziger Zentralstadion stand, zu welchem ich mit einer altbekannten Straßenbahn von meiner damaligen Stammhaltestelle angereist war, fand ich es durchaus komisch – ich wusste, dass viele von denen hier sein würden, mit denen ich in den Kindergarten, die Schule und zur Ausbildung gegangen war. 24 Jahre lang war Leipzig meine Heimat – ich zog weg, nach Stuttgart, da war das wahnwitzige Marketingprodukt eines millionenschweren Getränkeherstellers gerade erst am Reißbrett entworfen worden.

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Kein Spiel wie jedes andere, weder für mich noch für die anderen VfB-Fans, die an diesem wohl temperierten Sonntagnachmittag den Weg ins altehrwürdige Neckarstadion gefunden hatten. Hier wurde schon Fußballgeschichte geschrieben, lange bevor ich geboren wurde, bevor ich wusste, was der Fußball für eine Bedeutung in meinem Leben erlangen würde. Als ich meine erste Dauerkarte gekauft hatte und es auf mich nahm, alle zwei Wochen die 500 Kilometer hierherzukommen, wurde RB aus dem Boden gestampft. Rasenballsport. Welch kreative und gleichermaßen lächerliche Idee, um nicht „Red Bull“ sagen zu müssen. Dies ist die Geschichte eines hart umkämpften Remis, einer jahrelangen Freundschaft – und natürlich von Tradition, Stolz und Leidenschaft.
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7. März 2018
von Ute
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Vorsicht ist besser als Nachsicht

„Ich habe mir das irgendwie anders vorgestellt“ murmelte ich mit betretener Mine in Richtung meines Kumpels Thibault. „Ja, ich auch“ seufzte der junge Belgier aus Gent, dem ich nach seinem ersten Heimspiel gegen Wolfsburg nun zu seinem ersten Auswärtsspiel verhelfen durfte. Eine gute halbe Stunde war das Spiel alt, mein Schädel dröhnte und der VfB lag auswärts beim Tabellenletzten zurück. Es gab schon bessere Momente in dieser Spielzeit. Eine Niederlage konnte man sich in Köln nicht leisten, das wusste jeder der weit über 5.000 VfB-Fans, die sich aus Nah und Fern auf den Weg gemacht hatten. Dass das Grauen der ersten halben Stunde doch noch mit drei Punkten belohnt wurde, hat vermutlich keiner von uns allen so recht verstanden. Und wirklich wohl ist mir mit dieser unerwartet entspannten Tabellenkonstellation auch nicht.

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Nach gut sechs Jahren der (Fast-)Allesfahrerei gibt es kein Stadion, dass ich in der jüngeren Bundesliga-Geschichte nicht schon einmal von innen gesehen habe. Von Hamburg bis nach München, von Dortmund bis nach Leipzig, bisweilen vermag es reizlos und langweilig sein. Nur wenige Stadien haben im Lauf der Jahre ihren Reiz für mich nicht verloren – Köln ist eines davon. Als ich vor fast elf Jahren das erste Mal in Köln war, um der Nationalmannschaft im Freundschaftsspiel gegen Rumänien beizustehen, lernte ich den Zauber dieser besonderen Stadt kennen. Dass eine meine großartigsten Auswärtserinnerungen mein Bronchitis-Spiel mit 5:1-Sieg vor acht Jahren war, kommt sicher auch nicht von ungefähr.

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Ich gebe zu, ich fahre gerne nach Köln. Die Auswärtsstatistik bei dieser Spielpaarung ist daran natürlich nicht unschuldig. Gut 20 Jahre lang gab es diese beiden ungeschriebenen Gesetze beider Vereine: der VfB gewinnt zu Hause nicht gegen Köln und andersrum. Chadrac Akolo kannte dieses ungeschriebene Gesetz aber nicht und entschied sich, eine neue Geschichte zu schreiben. Bis heute bekomme ich Gänsehaut, wann immer ich nur an das Hinspiel denke: der nicht gegebene Elfmeter durch Videobeweis, der letzte Angriff in der Nachspielzeit, der verzweifelte Schuss, das minimale Abfälschen und schlussendlich ein weiß-roter Jubelhaufen vor der Cannstatter Kurve. Magische Momente wie diese sind selten geworden. Der Fluch war gebrochen, man konnte also annehmen, dass dies auch für das Rückspiel gelten würde. Überrascht hätte es wohl die wenigsten.
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