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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

21. Februar 2018
von Ute
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Auswärts siegen ist schön

183 Tage waren vergangen, seit die laufende Bundesliga-Saison begonnen hatte. 736 Tage waren vergangen, seit der VfB sein letztes Auswärtsspiel in der Bundesliga gewonnen hatte. 2140 Tage waren vergangen, seit der VfB zum letzten Mal in Augsburg gewonnen hatte. Acht Bundesliga-Auswärtsspiele habe ich diese Saison bereits gesehen, bei den beiden Punktgewinnen in Hannover und Wolfsburg war ich nicht vor Ort. Viele von euch können sich vielleicht nicht vorstellen, wie sich das anfühlt. 6.730 Auswärts-Kilometer 2017/2018, die Pokalspiele noch nicht einmal mit eingerechnet, stets geprägt von Frust, Enttäuschung und Wut.

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Ich will ehrlich sein: ich freue mich über die drei Punkte, die gute Stimmung in der Fuggerstadt und vor allem, dass ich das Stigma der Auswärts-Punktlosigkeit endlich los bin. Ist deswegen alles wieder in Ordnung? Mitnichten. In dem Moment, als ich im Gästeblock stand und nach einer gefühlten Ewigkeit die Partie und die Sieglosserie in der Ferne für den VfB für beendet erklärt wurde, fühlte sich gut an. Ein lauter Aufschrei der Erleichterung, ist doch immerhin jede einzelne Punkt wichtig. Einige Tage sind nun seither vergangen und das Gefühl der emotionalen Erschütterung ist zurückgekehrt. Leichter schreibt es sich damit natürlich nicht. Dafür allerdings wesentlich kürzer.

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Es heißt immer wieder, eine vollständige Abnabelung vom Herzensverein sei nicht möglich. Wer über Jahre den VfB mit so viel Inbrunst begleitet hat, dem fällt es natürlich schwer, einen Weg zu finden, die Missetaten und Erlebnisse der letzten Wochen, ja gar Monate, mit Gelassenheit zu sehen. Es gibt Menschen, die sind der Typ dafür, die können klar differenzieren, zwischen sportlichen Ergebnissen und komplexer Vereinspolitik, können im Stadion stehen und sich unmittelbar danach den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuwenden. Und es gibt Menschen, die können das alles nicht. Und ich? Ich hänge irgendwo dazwischen, verloren zwischen „Mir doch egal“ und „Gar nicht egal“.
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15. Februar 2018
von Ute
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Nur eine Momentaufnahme

Es gibt Tage, da will ich in den Dingen mehr sehen, als sie eigentlich sind. Dann sehe ich in einem einzigen Spiel den Moment des Umbruchs, den Funken der Hoffnung, das verheißungsvolle Zeichen einer besseren Zukunft – oder auch das bittere Ende einer erfolgreichen Phase, das Vorüberziehen von Möglichkeiten, das Versagen im wichtigsten Augenblick. Es gibt aber auch Tage, da will ich nicht mehr sehen als das, was es eigentlich ist: eine Momentaufnahme. Drei Punkte. Nicht mehr, nicht weniger.

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Ein enorm wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt, nachdem die Konkurrenz beinahe durch die Bank weg Federn gelassen hatte und für den VfB spielte, was für gewöhnlich heißt, dass nur der VfB nicht für den VfB spielt. Vor einigen Tagen noch saß ich mit Freunden im Maulwurf, einer urigen Kneipe am Schillerplatz in Stuttgart-Vaihingen, da begegneten mir diese beiden Worte erneut. Wenige Tage zuvor erst gelesen, nun wieder heraufgeholt zwischen Radler und Craft Beer, stellvertretend für das, was vor zwei Wochen geschehen war und dessen mentale Auswirkungen längst über das gewohnte Prozedere eines Trainerwechsels hinaus geht: „Emotionaler Knick“.

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Ansgar kenne ich schon seit geraumer Zeit von Twitter, er traf mit diesen Worten einen ungeahnten Nerv in mir. Was sich im Zuge des Trainerwechsels bereits wie ein potenzieller wichtiger Punkt in meinem Leben anfühlte, wurde langsam Realität. Ich distanziere mich. Nicht komplett, das könnte ich nicht, aber es reichte aus, um freiwillig auf das Auswärtsspiel in Wolfsburg zu verzichten, ganz ohne Not, zum ersten mal nach fast sechs Jahren Allesfahrerei. Ich blieb zuhause, denn die Geschehnisse der letzten Tage zuvor hatten mich müde gemacht und das, was ich am meisten fürchtete, die Missachtung meiner Freunde und Wegbegleiter, sie blieb aus. Stattdessen hörte ich stets die selbe Antwort: „Kann ich verstehen“.
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31. Januar 2018
von Ute
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Von Hundert auf Null

Ich sitze hier, um meinen Spielbericht zur Niederlage gegen Schalke zu schreiben. Wir alle wissen aber, dass es um weitaus mehr geht als der erwartbare Punktverlust eines inviduell bestens besetztem Team der Top 3 der Bundesliga. Die richtigen Worte für die zurückliegenden drei Tage zu finden, fällt dabei alles andere als leicht. Gerade eben bist du noch Tabellenzwölfter mit der Hoffnung, sich weiter zu stabilisieren und dem Abstiegskampf zu entfleuchen, und dann geht auf einmal alles schief. Tage später sitzt der Schock noch in den Knochen, der bei der Verarbeitung der Geschehnisse nicht sehr förderlich ist. Das Protokoll eines lähmenden Chaos-Wochenende.

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Wenn ich meine Augen schließe und ins Reich der Träume abdrifte, ist alles noch in bester Ordnung. Ich stehe frohen Mutes im Stadion, schaue einer Mannschaft zu, die jederzeit ihr Bestes gibt, an der Seitenlinie steht ein breit lächelnder Hannes Wolf und nach einem verdienten Sieg umarmt dieser Jan Schindelmeiser, bevor das Team von einer euphorischen Kurve gefeiert wird. Wir schreiben das Jahr 2019, der VfB hat sich nach einem knappen Klassenerhalt 2018 im Mittelfeld der Bundesliga festgebissen, hat neue, junge Wilde in seinen Reihen, die stolz sind, den Brustring zu tragen und nährt jeden Tag aufs Neue den Glauben daran, dass der bittere Abstieg drei Jahre zuvor doch zu etwas gut war.

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Des Nachts huscht mir ein Lächeln über die Lippen. Dann wache ich auf und muss feststellen, dass sich dieser Traum niemals erfüllen wird. Wir schreiben den Januar 2018 und nie war der Verein so am Boden wie in diesen Tagen. Alles, was man mit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf aufgebaut hat, jedes noch so kleine Pflänzchen der Hoffnung auf bessere Tage, lieblos zertrampelt vom Sonnenkönig und seinem Schoßhund. Nie war es schwieriger, Fan des VfB Stuttgart zu sein – und das, obwohl der letzte Abstieg noch gar nicht so lange her ist.
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23. Januar 2018
von Ute
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Ist das Fußball oder kann das weg?

„Du schon wieder?!“ – auf mich wartete eine lachende, herzliche Begrüßung. Da war ich schon wieder, mit regennasser Jacke und genau der gleichen Kameraausrüstung wie beim letzten Mal. Gerade einmal einen Monat und einen Tag war es her, da stand ich bereits an gleicher Stelle: vor den Toren des Mainzer Stadions, umgeben von einem Kartoffelacker. Mit schlechtem Wetter, mit einem unguten Bauchgefühl und nicht den Hauch von Motivation, überhaupt da zu sein. Nicht zu Unrecht, wie ich erneut feststellen musste.

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Einen Tag später fand ich mich auf der Couch sitzend wieder, im gemütlich warmen Wohnzimmer meiner Schwiegereltern, mit einem Glas Sekt in der Hand und wurde gefragt „Ja, Ute, woran liegts?“. Glaubt mir, wenn ich eine Antwort darauf hätte, würde ich viel Geld beim VfB dafür verdienen, die nahezu offensichtlichen Problempunkte anzusprechen und bei der Behebunng zu helfen. 80 Millionen Bundestrainer oder irgendwie so – kaum einer, der keinen guten Ratschlag hat für Hannes Wolf und seine Jungs. Es ist nicht einfach, Trainer des VfB zu sein, es verlangt einem alles ab. Fan des VfB zu sein, ist aber auch nicht einfach.

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Das Jahr 2017 wird einem ohne jeden Zweifel in Erinnerung bleiben, als Jahr des Aufstiegs, der unfassbaren Spiele und einer selten dagewesenen Heimserie, welche gut zwölf Monate anhalten sollte. Über die Auswärtsspiele der Hinrunde jedoch breiten wir den Mantel des Schweigens aus – mit uns holte der VfB unfassbare null Punkte in der Ferne, ohne uns in Hannover zumindest einen. Abgeschlagenes Schlusslicht der Auswärtstabelle und zunehmender Bestandteil der Tipprunde „Absteiger 2018“. Und obwohl jeder wusste, dass es als Aufsteiger schwierig wird – etwas einfacher hätte es bislang dann aber trotzdem sein dürfen.
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14. Januar 2018
von Ute
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Mitten ins Herz

Ein gemütlicher, fauler Sonntag im Januar, der Heizkörper hinter mir blubbert vor sich hin, vor mir steht eine längst kalt gewordene Tasse Kaffee. Mein Kopf ist schwer von all den Gedanken darin. Der VfB hat gewonnen, es sollte einfach sein, diese Zeilen zu schreiben. Aber das ist es nicht. Hier und jetzt ist es gar sehr viel schwerer, die richtigen Worte zu finden. Es geht nicht um 90 Minuten, die es zu beschreiben gilt, um ein zähes Spiel mit einem glücklichen Sieg. Es geht um die Verarbeitung unverarbeiteter Emotionen, die so viele Jahre schon als vergessen gegolten hatten.

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Über Emotionen schreibe ich nun schon so lange, dass bisweilen jeder weiß, dass diese alles andere als rational sind. Und von all diesen Emotionen wiegt auch am Tag danach keine andere so schwer wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Es sind solche Geschichten, die der Fußball schreibt: da kehrt er nach über acht Jahren zu seinen Wurzeln zurück, wird von den allermeisten mit offenen Armen empfangen und ist im ersten Pflichtspiel für den VfB maßgeblich am Siegtreffer beteiligt. Schöner kannst du es dir nicht ausdenken. Und dann gibt es noch mich, die sich fragt: „Warum ausgerechnet er?“

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Ob man es zugibt oder nicht: jeder Mensch hat Vorsätze für das neue Jahr, oder zumindest eine vage Vorstellung davon, was er besser machen will als in den zwölf Monaten zuvor. Für mich persönlich wäre da erstmal mein neuer Job, dessen erste Woche ich nun begeistert hinter mich gebracht habe. Dann wäre da noch das Kürzerfassen bei meinen Spielberichten, sofern dies möglich ist. Doch was ich gestern wieder gemerkt habe, ist eine nicht ganz triviale emotionale Klemme. Ich muss über das hinweg kommen, was im Mai 2009 passiert ist. Und so gerne ich mich auf die neue Situation einlassen will, so fällt dies doch schwerer als gedacht.
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