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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

21. April 2017
von Ute
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Verein für Bluthochdruck

Alles tat mir furchtbar weh. Die Füße schmerzten, das Wasser staute sich in meinen Waden, um die Nieren war ich unterkühlt, der Hals kratzte und meine Stimme, die ich erst vor gefühlt wenigen Tagen zurück erlangte, drohte wieder wegzubrechen. Es war still geworden. Leise öffnete ich das Fenster, warf einen Blick nach draußen auf die nassen Pflastersteine als mir der kalte Wind ins Gesicht wehte. Ich schloss das Fenster wiegte, schaltete das Licht aus und atmete nochmal tief durch, bevor ich meine Augen schloss. Mein Puls hatte sich wieder beruhigt. Zwei Stunden zuvor war daran nicht zu denken.

2017_04_17_Bielefeld-VfB_01

Wenn der VfB so weitermacht, erlebe ich den letzten womöglich entscheidenden Spieltag nicht mehr. Ich verende bereits vorher an einem Herzinfarkt, so oder so ähnlich lautet die Prognose nach den letzten Wochen. Der Twitterer Felix Christmann schrieb um kurz nach Zehn „Verein für Bluthochdruck“ und sprach damit hunderten und tausenden aus der geschundenen Fan-Seele. Jeder verarbeitet diese Form des Bluthochdrucks anders. Einige treiben Sport, andere lenken sich mit Freunden und Familie ab, und dann bin da noch ich, die versucht, das alles in Worte zu verpacken.

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Niemanden von euch muss ich sagen, wieviel Kraft es kostet, dem VfB in den letzten Spielen zuzuschauen. Keiner von euch zweifelt an meinen Worten, wie nervenaufreibend die zurückliegenden Partien gewesen sind. Und jeder von euch weiß, wie groß die Sehnsucht nach überzeugenderen Ergebnissen ist. Schwebten wir noch bis vor zwei Monaten auf einer wahren Welle der Euphorie und hatten keinen Zweifel daran, mehr oder weniger mit Leichtigkeit bereits einige Wochen vor dem Ende als Aufsteiger festzustehen, stellten uns die letzten Wochen auf eine harte Probe. Eine, die einige von uns den Glauben verlieren ließ, es würde alles gut gehen.
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11. April 2017
von Ute
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Wir steigen auf und ihr steigt ab

Mit letzter Kraft schleppte ich mich ins Wohnzimmer, ließ meinen müden Körper auf die Couch plumpsen, legte die Beine hoch und nahm einen ersten Schluck aus der Bierflasche. Einmal tief durchatmen. Es war geschafft. Ein seliges Lächeln huschte über meine Lippen, während mein von der Sonne gezeichnetes Gesicht spannte und sich das Blut in den angeschwollenen Waden nur langsam zurückzog. Vollkommen fertig, aber für einen Moment glücklich und entspannt. Es ist spät geworden, der Tag hat seine Spuren hinterlassen. Und doch genoss ich des Abends noch dieses eine wunderbare Gefühl, nahm noch einen Schluck und seufzte zufrieden, ohne dass mich jemand hören konnte: „Derbysieger“.

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Tagelang konnte ich an nichts anderes mehr denken. Immer wieder kreiste dieser eine Gedanke in meinem Kopf umher: „Was ist, wenns schief geht?“ – kaum etwas anderes beschäftigte mich so sehr, und dass es so war, da war der VfB selbst nicht ganz unschuldig. Wochenlanger Fußball zum Abgewöhnen, Punktverluste und erste Zweifel am großen Ziel, man brachte sich selbst um eine exzellente Ausgangsposition. Das musste geändert werden, was käme da besser als das Derby? Das musste geändert werden, was käme da undankbarer als das Derby?

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Noch ließ nicht viel vermuten, wie wichtig dieser Tag für den VfB, dessen Fans und die ganze Region sein würde. Ein nahezu wolkenloser Himmel begrüßte uns am Vormittag, als wir das Haus verließen und uns auf den Weg machten, vorbei am eigentlichen Treffpunkt am Cannstatter Bahnhof, direkt zum Stadion. Es schien ein fast ganz normaler Tag zu werden – sieht man von den ersten Kastenwägen und einer Vielzahl voll uniformierter Polizisten ab, allesamt bewaffnet bis an die Zähne.
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8. April 2017
von Ute
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Zu wenig von allem

Zehntausend. In Zahlen 10.000. Zehntausend, die sich unter der Woche auf den Weg nach München gemacht hatten. Zehntausend, denen es wichtig genug war, die Mannschaft zu unterstützen und sie zum Auswärtssieg zu schreien. Zehntausend, die keinen Zweifel daran hatten, dass die Mannschaft alles dafür tun würde, rechtzeitig vor dem Derby die Köpfe freizubekommen. Und Elf, die sich dessen offenbar nicht einmal im Ansatz bewusst waren und es geschafft haben, jene Zehntausend enttäuscht zurückzulassen. Insgeheim wissen wir alle, wie wir dieses Spiel einordnen müssen: für den Aufstieg ist das schlichtweg zu wenig.

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Ich weiß, ich hab das schon oft gesagt, aber während die Spiele immer weniger werden, werden die Punkte nicht sehr viel mehr. Mitgezählt habe ich nicht, wie oft sich für mich der Aufstieg in dieser Spielzeit schon „endgültig“ erledigt hat und angesichts des 2. Tabellenplatzes mag das auch wie ein schlechter Scherz klingen, aber erinnert es euch nicht auch so an letzte Saison? Bis weit Richtung Saisonende dümpelte man um den Relegationsplatz herum und war sich sicher, die restlichen Punkte noch irgendwie zu holen. Auch, wenn ich es nie wollte, sehe ich mich nun konfrontiert mit beängstigenden Parallelen.

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So sehr ich den Fußball noch vor einigen Wochen in vollen Zügen genossen hatte, so sehr fürchte ich mich jetzt davor, dass sich alles irgendwie wiederholt. Die fehlende Mentalität im Mannschaftsgefüge, das Vermissen von wahren Führungsspielern, die Naivität um die sicher noch kommenden Siege und nicht zuletzt jede Menge fehlendes Glück. Wir waren auf bestem Weg, unseren Status als Spitzenreiter zu zementieren und es gab Phasen, da machte die Mannschaft keinerlei Anstalten, in dieser Saison die Tabellenführung noch einmal herzugeben. Heute sind wir klüger, und wir sind vor allem beunruhigter denn je.
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5. April 2017
von Ute
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Ohne ein Wort

Hin und wieder hinterlässt mich mein Verein in völliger Sprachlosigkeit. Schon oft war ich nicht im Stande, etwas zu sagen, sei es aus Frust, Entsetzen oder vollkommener Schockstarre. Noch nie jedoch stand ich da und konnte gar nichts sagen – nicht einmal, wenn ich gewollt hätte. Acht Tage waren vergangen, seit mich meine Stimmbänder im Stich gelassen haben. Manche Dinge lernt man erst zu schätzen, wenn man sie verloren hat, da bildet die Fähigkeit zum Sprechen keine Ausnahme.

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Das ernüchternde Auswärtsspiel in Fürth hatte seine Spuren hinterlassen und knockte mich bereits am Tag danach mit einer Mandelentzündung aus, die nach gut einer Woche meine Stimme forderte. Ausgerechnet vor dem wichtigen Spiel gegen Dresden, in dem Wiedergutmachung auf dem Plan stand. Es gibt nicht viel, das ich an dieser Zweitligasaison gerne ungeschehen machen würde, ja nicht einmal den Abstieg selbst. Nur eines würde ich gerne vergessen machen, die Schmach von Dresden im Hinspiel, bei dem wir komplett unter die Räder kamen und mit der Schande leben mussten, nach allen Regeln der Kunst von einem Drittligaaufsteiger vorgeführt worden zu sein.

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Schnell schien die Pein vergessen, der VfB stabilisierte sich unter Hannes Wolf, sammelte viele wertvolle Punkte und schickt sich an, wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Und dennoch hätte ich, wie viele andere VfB-Fans auch, am liebsten auf diese Erfahrung verzichtet. Doch ist eine Revange wirklich im Sinne des Machbaren gewesen? Ich weiß es nicht. Nach zuletzt drei sieglosen Spielen wurde die Mentalitätsfrage immer lauter, während die Konkurrenz fleißig punktete und uns die Tabellenführung streitig machten. Noch sind viele Punkte zu vergeben. Was im Umkehrschluss aber leider auch bedeutet, dass noch viele Punkte zu verschenken sind.
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19. März 2017
von Ute
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Wer hat Angst vorm Aufstiegskampf?

Ich hasse es, wenn ich Recht habe. Ich hasse es, wenn meine schlimmsten Befürchtungen eintreten. Ich hasse es, wenn die Entwicklung genau diese Richtung annimmt, die ich geahnt habe. Ich hasse es, dem VfB dabei zuzusehen, wie er ein Spiel verliert und damit den schönen Vorsprung, den man hatte, geradewegs wieder hergegeben hat. Ich hasse es, mit dem Gefühl allein gelassen zu sein, dass sich unsere Aufstiegshoffnungen fürs erste in Luft aufgelöst haben. Dass noch immer neun Spiele Zeit sind, dieses Polster wieder draufzupacken und das einzige zu tun, was uns weiterhilft – Spiele zu gewinnen – ist mir bewusst. Es kann klappen. Und genau das ist das Problem: es kann nämlich genauso gut noch schief gehen. Ich hasse diesen Gedanken, das könnt ihr mir glauben.

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Eine eiskalte und furchteinflößende Aura umgab mich, als ich noch lange nach Abpfiff auf den kalten Stufen des Stadions. Ich war die Letzte, die übrig geblieben war. Zwölf Ordner standen an den Block-Eingängen und entdeckten mich, wie ich noch da saß, den Blick ins Nichts richtete und starr vor Frust auf dem Boden saß. Keiner von ihnen wollte sich zutrauen, mich zum Gehen zu bewegen, sie standen alle nur da und wussten nicht, was sie tun sollten. Schließlich erbarmte sich einer und begleitet von einem Gesicht, als würde ich ihn auffressen wollen, stand ich Minuten später schließlich auf.

2017_03_18_Fuerth-VfB_02

Noch nie hatten mich unsere Freunde Gerd und Ingrid so erlebt. Nicht einmal in Wolfsburg, als alles vorbei war. Und auch nicht in so mancher finsterer Stunde, in denen der VfB eine erbärmliche Leistung dargeboten, die Punkte liegen und uns Fans geschockt und frustriert zurück gelassen hatte. Alles, was ich in den letzten Wochen und Monaten wollte, war einfach nur der direkte Wiederaufstieg. In diesem Moment fühlte es sich trist und unwirklich an, für mich war klar, dass man hier und heute den Aufstieg verspielt hatte. Natürlich ist er das nicht. Aber vielleicht waren es jene Momente, in denen ich auf den Stufen saß, die mich klar werden ließen, dass es vielleicht nicht klappt. Und das tut weh.
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