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Unterwegs aus Liebe zum VfB Stuttgart

19. November 2017
von Ute
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Unverhofft kommt nicht so oft

Von allen Dingen, die ich mir an diesem Tag ausgemalt hatte, war dies so ziemlich das Unwahrscheinlichste. Lachend und schreiend lagen wir uns in den Armen, ohne es vermutlich richtig begreifen zu können. Ein Heimsieg gegen Borussia Dortmund. Sieben Jahre, neun Monate, zwei Wochen und drei Tage. Seit man zum letzten Mal die Dortmunder vor heimischer Kulisse bezwingen konnte, ist viel Wasser den Neckar hinuntergeflossen. Spieler und Trainer sind gekommen und gegangen, die Liebe zum Verein ist geblieben, genau wie die sture Überzeugung, dass der VfB nur selten zu wahrhaft großen Heldentaten imstande ist.

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Zugegeben, bei den Schwarz-Gelben läuft derzeit so gar nichts zusammen. Doch sollte das die gigantische Mannschaftsleistung des VfB schmälern? Wohl kaum. Dennoch wird im Nachgang von nichts anderem zu lesen sein als von der Slapstickeinlage von Roman Bürki und Marc Bartra, von fehlender Effizienz und falscher Taktik. Es würde nur darum gehen, wie lange Peter Bosz noch zu halten sei und wie lange die Krise der Borussen nun schon anhält. Dass es der VfB dabei verdient hat, als Sieger vom Platz zu gehen, scheint für viele Gazetten und neutrale Fans zweitrangig zu sein.

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Auf dem Zettel hatten es dann aber doch die wenigsten, vom unguten Bauchgefühl des schwäbischen Durchschnittsbruddler bis hin zu jedem einzelnen Wettbüro. Man schien sich einig zu sein: selbst in deren aktueller Form wird der VfB nichts gegen den BVB ausrichten können. Aber diese Rechnung hat man ohne unsere Mannschaft gemacht. Und ich sage ganz bewusst „Mannschaft“, denn an solchen Tagen verdienen sie sich diesen Namen wirklich. Am Ende einer energischen Mannschaftsleistung stand der VfB mit drei Punkten mehr da – und überforderte mich damit komplett. Ich war darauf doch gar nicht vorbereitet.
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11. November 2017
von Ute
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Gebrauchter Tag im hohen Norden

Es gibt Tage, an denen liebe ich das, was ich tue. Dann sitze ich am Tag danach, oder auch zwei Tage am Rechner, lächle wissend vor mich hin, schlürfe dazu einen Kaffee und bringe etwas zu digitalem Papier, was gemeinhin „Spielbericht“ genannt wird, mit den harten Fakten einer Bundesligapartie jedoch nur wenig gemein hat. Ich lebe für die Emotionen, die der Fußball, der VfB und vor allem mein Umfeld in mein Leben gebracht haben und bin stolz und dankbar, die Möglichkeit und die Fähigkeit zu haben, diese Dinge anderen mitteilen zu dürfen. Und dann gibt es die Tage, an denen stelle ich die Frage, warum ich das eigentlich tue. Das Schreiben. Der Fußball. Die Leidenschaft.

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Jeder von uns wird hin und wieder daran erinnert, warum er einst sein Herz einem Verein geschenkt hat, es sind jene Spiele wie das gegen Köln, das einem beweisen kann, dass man sich vor Jahren oder gar Jahrzehnten richtig entschieden hat. Das Los eines Fußballvereins, sofern er sich nicht am oberen Teil der Tabelle festgebissen hat, verlautet uns meist aber etwas anderes. Es geht nicht immer nur über eine unbegreifliche Liebe, um grenzenlose Emotionen – für uns geht es auch um die Bewältigung von Frust und die Antwort auf die Frage, warum wir uns trotz aller Rückschläge noch immer Woche für Woche in die Kurve oder den Gästeblock stellen. Auf der Suche nach einer Antwort auf jene Fragen, die ein Nicht-Fußballfan niemals stellen würde.

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Wir sind anders. Und wer diese Emotionen verstehen kann, weiß auch, wie sehr es an solchen Tagen weh tun kann. Für Außenstehende ist die Sachlage einfach: ein Bundesligist, der nach einem Jahr Zweitklassigkeit wieder aufgestiegen ist, spielt bei einem Bundesligist, der sich zuletzt mit viel Glück immer wieder oben gehalten hat. Früh gibt es einen Platzverweis für den Aufsteiger, den er auf kurz oder lang nicht mehr standhalten kann und einbricht. Der andere Bundesligist gewinnt das Spiel. Klingt einfach, oder? Über eine Woche ist seither vergangen, aber ein kleines bisschen nagt es schon noch an mir. Vielleicht auch ein großes bisschen.
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31. Oktober 2017
von Ute
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In die Karten gespielt

So ganz traute ich dem Braten nicht. Dabei hätte ich eigentlich allen Grund gehabt, fröhlich zu sein, denn schließlich führte der VfB mit 2:0 und hatte einen Mann mehr auf dem Feld. Da konnte doch wirklich nichts mehr schief gehen, oder? Und dann erinnerte ich mich an das Auswärtsspiel in Frankfurt. Im Hier und Jetzt konnte mich die komfortable Führung nicht beruhigen, denn auf dem Feld kam vom VfB lange Zeit gar nichts mehr. Dass der Gedanke in mir wieder hochkam, man könnte ja doch noch durch einen blöden Patzer und einen Elfmeter den sicheren Sieg aus der Hand geben, dagegen konnte ich nicht das geringste machen. Denn sind wir mal ehrlich: dafür kennen wir unseren Verein zu gut.

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Niemand würde hinterher davon reden, dass Benjamin Pavard ein weiteres großartiges Spiel gemacht hat. Keiner würde hinter davon sprechen, dass Berkay Özcan entgegen aller Vermutungen eine sehenswerte Partie gespielt hat. Alle würden hinterher nur von der einen Szene sprechen, die die Partie in vermeintlich andere Bahnen gelenkt hat: der frühe Platzverweis für den Freiburger Caglar Söyüncü, der erst eine gefühlte Ewigkeit später via Videobeweis geahndet wurde. Womöglich hätte es für den VfB auch gegen elf Freiburger gereicht, aber alle würden nur über den Videobeweis und die harte Entscheidung gegen die Elf von Christian Streich sprechen.

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Vermutlich werden wir uns alle noch lange an jenes schicksalhafte Heimspiel gegen Köln erinnern, als ein in letzter Minute für die Kölner ausgesprochener Elfmeter durch den Videobeweis zurückgenommen wurde und der VfB infolgedessen noch das Spiel für sich entscheiden konnte. Wie das alles zustande kam, ließ ein Geschmäckle zurück, denn wieviel von unseren Idealen hat der Fußball verraten, wenn Minuten später Entscheidungen getroffen werden, die sowohl für die Mannschaften, Trainer und Zuschauer alle Emotionen ad absurdum führen kann. Ich bin grundsätzlich für den Videobeweis – aber dieser muss anders umgesetzt werden, vor allem schneller und transparenter. Auch, wenn wir dieses Mal erneut davon profitiert haben.
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29. Oktober 2017
von Ute
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Ein hartes Stück Arbeit

Ich weiß, ich weiß, der Pokal hat seine eigenen Regeln. Aber wäre es nun wirklich zu viel verlangt gewesen, wenigstens ein Mal ein vollkommen ungefährdetes, entspanntes Spiel sehen zu dürfen? Ohne den Hauch einer Anspannung, hoch, verdient und vor allem souverän. Wenn nicht jetzt gegen Kaiserslautern, gegen wen denn dann? Die nächsten Wochen werden mit Sicherheit nicht einfacher, doch was, wenn aus dem tollen Plan, sich im Pokalspiel Selbstvertrauen zu holen, so gar nichts wird? Verlieren war verboten.

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Es gab schlechtere Lose als ein Auswärtsspiel in Kaiserslautern. Was hatte es nicht Spaß gemacht, als sich seinerzeit gut 15.000 Stuttgarter auf den Weg zum Betzenberg machten und dort schon früh in der Zweitligasaison der Grundstein gelegt wurde für eine Reihe überwältigender Auswärtsfahrten. Über ein Jahr ist seither vergangen, der VfB war wieder aufgestiegen und Kaiserslautern, nunja, ich wünschte, ich könnte etwas Positives schreiben. Sie hadern, vor allem mit sich selbst. Die roten Teufel am Boden und womöglich auf dem Weg ins bodenlose Nirvana der dritten Liga. Harte Zeiten für die FCK-Fans, ich würde nicht tauschen wollen.

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Und beim VfB? Man könnte fast meinen, man sei voll im Soll. Nach neun Spielen mit zehn Punkten könnte man zwar selbstredend besser dastehen, für manche ein besserer Schnitt, als nach dem Aufstieg zu erwarten war. Wenn da nur nicht die dumme Sache mit den Auswärtsspielen wäre. Gewonnen hat der VfB lediglich mit Müh, Not und vor allem Glück in der ersten Pokalrunde in Cottbus, während das Bundesligakonto weiterhin leidliche null Punkte hat. Ob ein erneutes Pokalspiel die Wende bringen kann? Alles andere als ein Weiterkommen ins Achtelfinale wäre indiskutabel. Da stand ich nun, im Gästeblock, und musste mit ansehen, wie Kaiserslautern in Führung ging.
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24. Oktober 2017
von Ute
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Nichts zu holen in der Heimat

Lange war das Spiel schon vorbei und noch immer prasselten die Regentropfen nieder. Es ist kalt geworden, von den sommerlichen Temperaturen des Nachmittags war nicht mehr viel zu spüren. Bis zum Ende blieb es dabei: das komischste Auswärtsspiel der Saison, vielleicht sogar der letzten Jahre, es lag nun hinter mir. Noch vor zehn Jahren hatte meine Lebensplanung ganz anders ausgesehen, mit einem durchschnittlichen Job, einer netten Altbauwohnung in einem gehobenen Wohnviertel, eine Familie. Dann kam der VfB und änderte alles, was bisher da war und verschaffte mir ein Leben, das so ganz anders war als ich es gedacht hatte.

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Kaum jemand von euch wird verstehen können, welche Emotionen am Wochenende in mir rumorten. Wäre der VfB nicht gewesen, wäre ich eine von denen geworden. Ein Teil von dem, das ein jeder romantische Fußballfan geschworen hat, zu bekämpfen. Es ist der schmale Grat zwischen der Erinnerung an die eigenen Wurzeln und dem Pathos, den jede aktive und lang gewachsene Fankultur in sich trägt. Auf dem Papier ging es um nicht mehr als drei Punkte. Für mich wurde die Reise in die Vergangenheit zur emotionalen Zerissenheit, zwischen dem, was ich heute mein Leben nenne und dem, was hätte mein Leben sein können.

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24 Jahre hatte ich hier gelebt. Ich wurde in der Frauenklinik geboren, bin in der Eisenbahnstraße aufgewachsen, machte meinen Schulabschluss in der August-Bebel-Schule, absolvierte meine Ausbildung an der Gutenbergschule, lernte viel beim Praktikum nache des Bundesverwaltungsgerichts, arbeitete über fünf Jahre auf der Karli und lebte viele Jahre alleine in meiner eigenen Wohnung in Neustadt-Neuschönefeld. Das Gefühl, mir würde etwas fehlen, konnte mich in all den Jahren trotz allem nie wirklich loslassen. Bis ich schließlich mein Herz einem Verein schenkte. Was wurde ich damals nicht immer belächelt, Fußballfan geworden zu sein. Viele von denen waren womöglich am Samstag im Stadion, als mein Herzensverein einem Marketingprodukt unterlag, das es noch nicht einmal gab, als ich mir die erste Dauerkarte beim VfB gekauft hatte.
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